Armutsrisiko in Kiel, Studie Hans-Böckler-Stiftung

Für über die Hälfte der Haushalte in Kiel fehlt leistbarer Wohnraum – Studien der Hans-Böckler-Stiftung beleuchten das Armutsrisiko wegen zu hoher Mieten

Die Mieten in Deutschland sind zu hoch und verstärken die soziale Ungleichheit. Zu diesem Ergebnis kommen zwei Studien der Hans-Böckler-Stiftung auf Basis der Zahlen des Mikrozensus von 2018 von Juni und August dieses Jahres. Untersucht wurde die Mietensituation in allen deutschen Großstädten. Auch die Situation in Kiel ist dramatisch. Sie entspricht in etwa dem Durchschnitt in Deutschland.

Im Allgemeinen wird davon ausgegangen, dass eine leistbare Miete dann vorliegt, wenn sie 30% des Nettoeinkommens nicht übersteigt. Dies ist in deutschen Großstädten für 49,2 % der Haushalte nicht mehr gegeben. In Kiel liegt diese Quote bei über der Hälfte der Haushalte, nämlich bei 50,87%. Mehr als 40% des Einkommens zahlen immer noch 28,62% der Kieler Haushalte und 13,32% mehr als die Hälfte ihres Einkommens.

Die reale Versorgungslücke in Kiel mit leistbarem Wohnraum liegt damit bei 43550 Wohnungen. Die Studie untersuchte auch, wie die Situation bei einer optimalen Verteilung des Wohnraums aussehen würde. Bei einer idealen Verteilung des Wohnraums auf die bestehenden Haushalte würden noch immer 16838 leistbare Wohnungen fehlen. In ganz Deutschland liegt diese Zahl bei 1,5 Millionen.

Untersucht wurde auch, wie die Miete die soziale Ungleichheit beeinflusst und wie viele Menschen durch zu hohe Mieten in absolute Armut, also unter das Existenzminimum des ALG2-Satzes fallen. Das verfügbare Einkommen der obersten Einkommensgruppe liegt vor Abzug der Mietkosten beim 4,4fachen der niedrigsten Einkommensgruppe und nach Abzug der Mietkosten beim 6,7fachen. Dies liegt daran, dass Menschen mit geringem Einkommen einen deutlich höheren Anteil für Miete aufbringen müssen. Die Wohnsituation ist also nicht nur Ausdruck sozialer Ungleichheit, sondern verstärkt diese noch. Mieten sind auch ein Risiko für absolute Armut. Durch zu hohe Mieten fallen deutschlandweit 12,9% der Haushalte unter die absolute Armutsgrenze, was 1,1 Millionen Haushalten entspricht, in denen 2,1 Millionen Menschen leben.

Wir fordern:

Anteil der Sozialwohnungen bei allen Neubauten in Kiel verpflichtend bei 50%

Die Kieler Wohnungsbaugesellschaft schnell und massiv stärken

Vorkaufsrechte der Stadt endlich wahrnehmen

Kiel zum Gebiet mit angespannter Wohnungslage erklären

Macht mit beim Bündnis für bezahlbaren Wohnraum in Kiel!

Quellen: https://www.boeckler.de/de/faust-detail.htm?sync_id=HBS-008072

https://www.boeckler.de/de/faust-detail.htm?sync_id=HBS-008039

Autor: Björn Thoroe

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