Die Zeit läuft ab – Mieter in der Lornsenstraße zunehmend in Angst

Seit 2019 ist geplant, die Häuser in der Lornsenstraße 52 bis 60 abzureißen. Heute
leben dort noch 14 Altmieter und -mieterinnen (Genossenschaftsmitglieder). Viele
von ihnen seit Jahrzehnten, teilweise seit über 60 Jahren, und sind inzwischen um
die 90 Jahre alt. Für sie ist die Situation existenziell: Sie sind tief verwurzelt im
Viertel und können sich weder finanziell noch körperlich einen Umzug leisten. Viele
sagen offen, dass weder sie selbst noch ihre seit Jahrzehnten bestehenden Möbel
einen Umzug überstehen würden.
Doch nicht nur sie sind betroffen. Auch viele Mieter mit befristeten Verträgen bis
Ende 2027 leben in wachsender Unsicherheit. Trotz intensiver Suche finden sie
keinen bezahlbaren Ersatz. Die angebotenen Wohnungen sind schlicht zu teuer.
Viele sind verzweifelt, leiden unter Schlafstörungen, stehen dauerhaft unter Stress
und verstehen nicht, warum ihre Wohnungen in gutem Zustand nicht weiter
vermietet werden.
Unabhängige Gutachten von Architekten und Statikern bestätigen, dass eine
Sanierung der Gebäude möglich ist. Vergleichbare Häuser gleichen Baujahres
wurden in derselben Straße bereits erfolgreich energetisch saniert und laufend
modernisiert.
„Warum wird funktionierender, bezahlbarer Wohnraum zerstört, den sich viele
leisten können?“, fragen die Mieter.
Hinzu kommt ein weiterer Punkt: Derzeit können viele Bewohner ihre Mieten
eigenständig bezahlen. In anderen Wohnungen wären sie auf staatliche
Unterstützung wie Wohngeld angewiesen. „Das kann nicht der richtige Weg sein“,
sagen die Betroffenen.
Gleichzeitig steht bereits seit Wochen eine Wohnung leer. Vorhandener Wohnraum
wird nicht genutzt. Die Mieter befürchten, dass bis Ende 2027 immer mehr
Wohnungen leer stehen werden, weil für so kurze Zeiträume kaum noch jemand
neu einzieht.
Gerade in Zeiten massiven Wohnungsmangels stellt sich für viele eine
grundsätzliche Frage: Wie kann es sein, dass bezahlbarer Wohnraum in gutem
Zustand aufgegeben wird, während gleichzeitig neuer Mangel entsteht?
Zusätzlich sorgt bei vielen Mitgliedern der Genossenschaft für großes
Unverständnis, dass die Satzung inzwischen zu Ungunsten der Mitglieder geändert
wurde. Obwohl die Bewohner als Genossenschaftsmitglieder Miteigentümer sind,
haben sie auf Mitgliederversammlungen heute nahezu keine Möglichkeiten, eigene
Anliegen vorzutragen oder wirksam Einfluss auf Entscheidungen zu nehmen.
Der Kieler Mieterverein verurteilt das Vorgehen deutlich und kann die geplanten
Maßnahmen nicht nachvollziehen. Alle Altmieter haben sich inzwischen rechtlich abgesichert und würden im Fall von
Kündigungen oder Räumungsklagen geschlossen dagegen vorgehen.
Die Bewohner laden Öffentlichkeit und Verantwortliche der Stadt ein, sich selbst ein
Bild vor Ort zu machen. „Wir wollen keine Sonderbehandlung. Wir wollen einfach
nur bleiben.“
Besonders deutlich wird die öffentliche Unterstützung auch durch die Petition auf
OpenPetition: Bereits 2.704 Menschen haben die Initiative unterschrieben und
unterstützen den Erhalt der Häuser in der Lornsenstraße. Hinzu kommen
unglaubliche 850 Kommentare von Unterstützern – ohne einen einzigen
Gegenkommentar. Diese außergewöhnlich große und einseitige Resonanz zeigt
eindrucksvoll, wie sehr das Schicksal der Bewohner die Menschen bewegt und wie
groß das Unverständnis über den geplanten Abriss von funktionierendem,
bezahlbarem Wohnraum ist.

Die WoGe veranstaltet am Donnerstag, den 28. Mai 2025, ab 18 Uhr ihre Mitgliederversammlung in der Ostseehalle. Wir treffen uns um 17 Uhr dort am Eingang und protestieren gegen den geplanten Abriss der 5 schönen Häuser. Kommt zahlreich!

Am Samstag, den 13. Juni 2026, feiert die WoGe von 13 – 18 Uhr ihren nicht vorhandenen 100. Geburtstag (die WOGE gibt es erst seit 1996, bis dahin war das der Postbauverein Kiel) in Molfsee. Da wollen wir mitfeiern und treffen uns um 12 Uhr auf dem Parkplatz dort dem Freilichtmuseum. Auch da ist zahlreiches Erscheinen angesagt!

Demo Lornsenstr.
Fotos: Frank Behling